"Pädde" Kuntz und die Riding Santas
Knöringen. Der Wecker hat noch gar nicht geklingelt, doch Patrick Kuntz liegt bereits wach in seinem Bett. Die Uhrzeiger stehen auf 4 Uhr. Es ist der Nikolaustag. Wie in jedem Jahr kann Kuntz, von allen, die ihn kennen, Pädde genannt, vor Aufregung nicht mehr schlafen. Nach dem Aufstehen startet das Prozedere mittlerweile wie ein Ritual: Motorradklamotten anziehen und mit der Hilfe seiner Frau das Weihnachtsmannoutfit in XXL darüber ziehen. Mit Kabelbindern wird die Spendenbox an die Harley gekettet. Das Handy bimmelt während Pädde sein Rührei isst. Seine Mitfahrer. Euphorisch und voller Vorfreude. Seit Pädde 2014 die Harley Davidson Riding Santas ins Leben gerufen hat, ist der Nikolaustag für ihn der Höhepunkt des Jahres. Schon beim Losfahren hupen die ersten Lkw-Fahrer. Und Pädde strahlt über das ganze Gesicht.
Die Motoren brummen, die Motorräder sind schon von Weitem zu hören, doch die Harley Davidson Riding Santas sind weit mehr als eine Gruppe begeisterter Motorradfahrer, die zusammen durch die Pfalz fahren. Pädde ist der Initiator der Gruppe, zusammen sind sie 25 Fahrerinnen und Fahrer, 20 weitere ergänzen das Team in der Organisation. Doch etwas unterscheidet sie von den klassischen Harley-Fahrern: Ihre Santa-Kostüme. Mit roten Zipfelmützen und Weihnachtsmann-Overalls über den Motorradanzügen fahren die Santas am 6. Dezember eine Tour durch Teile der Pfalz und machen halt an unterschiedlichen Stationen: Altenheimen, Kindergärten, Behindertenwerkstätten und Grundschulen. Dabei sammeln sie Spenden für das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen.
Ein Traum ging in Erfüllung
Pädde selbst kam 2014 zum Motorradfahren. Nach dem Tod seines Vaters merkte er, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Er erfüllte sich mit dem Kauf eines Motorrads einen Traum. „Bei Harley-Fahrern geht es häufig mehr um die Emotionen, ich saß auf der Maschine und habe zu meiner Frau gesagt: ,Des isse!‘ – Ich wusste zwar nicht, wie ich sie finanzieren soll, aber die musste es sein“, erinnert sich der 52-jährige Familienvater lachend. Um mit anderen gemeinsam zu fahren, suchte er auf Facebook in Gruppen nach Mitfahrern. Ein Fahrer veröffentlichte ein Bild vom Vorjahr, mit einer Zipfelmütze auf dem Helm und rotem Cape über der Kluft. „Da dachte ich: Das ist geil, das mache ich dieses Jahr auch“, berichtet Pädde von den Anfängen seiner Idee. Ein gewisses Talent als Nikolaus sei bereits vorhanden gewesen, witzelt er: „Ich war immer bei meinen Neffen der Nikolaus, sie haben mich nie erkannt.“ Mit Hilfe der Familie zog er das erste Mal los: Seine Frau half ihm das Kostüm überzuziehen und seine Mutter nähte aus zwei Nikolausmützen eine; alles groß genug, damit es über die Motorradausrüstung passt.
Bei der ersten Tour in weihnachtlichem Gewand vor neun Jahren war Pädde eineinhalb Stunden alleine unterwegs. „An den Reaktionen von den Leuten habe ich gemerkt, dass das scheinbar gut ankommt: Alle haben gewunken wie verrückt“, erinnert sich Patrick. Ein Schlüsselmoment war für ihn an einer Ampelkreuzung von Edenkoben nach Landau zurück. „Ich bin einem Auto hinterhergefahren und habe gemerkt, da sind Kinder hintendrin, die immer wieder winken. Ich hatte gehofft, dass die Ampel rot ist, dann muss das Auto anhalten“, erzählt Patrick immer noch mit einem Strahlen im Gesicht. Die Ampel war rot, die Autoscheiben gingen nach unten und die Kinderköpfe nach draußen. Nach einem kurzen Plausch und dem Austausch von Weihnachtswünschen fuhr das Auto weiter auf den Nikolausmarkt, Patricks Grinsen wollte gar nicht mehr aus seinem Gesicht verschwinden: „Meine Frau hat Zuhause direkt gemerkt, dass es mir gut geht“, so Patrick.
Von Kopf bis Fuß rot-weiß
Im Januar 2015 hat er eine eigene Facebook Gruppe, die „Harley Driver Südpfalz“, ins Leben gerufen. Im März 2015 war die erste Ausfahrt mit den noch fremden Harley-Fahrern. Er berichtete in der Gruppe von dem Plan der „Nikolausfahrt“; einzige Voraussetzungen für die Teilnahme: Harley und von Kopf bis Fuß rot-weiß. Direkt 2015 waren sie bereits 15 Nikoläuse. „Mein Ziel ist und war es immer, an dem Tag Leute zu erreichen und zu erfreuen“, beschreibt Patrick seinen Antrieb. Er freut sich, wenn Menschen durch seine Aktion näher zusammenrücken. Und der Erfolg gibt ihm Recht: Viele sind berührt von der Idee und dankbar dafür, dass die Gruppe mit ihrer Tour Gutes tut.
Wie beliebt seine Idee mittlerweile ist und welche Ausmaße alles angenommen hat, macht Patrick immer noch baff. Viele Menschen verbinden mit dem Fahren einer Harley vor allem Lautstärke, der gemütliche Santa sei da das komplette Gegenbild. „Erst hört man ihn, dann sieht man ihn und dann kommt das Erstaunen", so Patrick über die Faszination der Riding Santas. Aber natürlich habe es auch mal negativere Reaktionen gegeben: „In den ersten Jahren haben uns Leute auch schonmal den Vogel gezeigt“, lacht Patrick. Am "Santa Day" selbst fährt Patrick als Organisator vorne, für ihn immer noch ein magischer Augenblick: Er sieht alles als Erster. Die verdutzten und überraschten Blicke der Leute und dann das Grinsen und Winken.
Botschafter der Sterntaler
Ein akribisches Zeitmanagement, ein Ablaufplan, Pressetermine, die Auswahl der Stationen - hinter der Organisation der Tour steckt ganz schön viel. Auf rund 600 bis 650 Stunden schätzt Patrick den Arbeitsaufwand seit dem Frühjahr: „Es ist eigentlich ein Zweitjob“, fasst er zusammen. Daher bleibt die Anzahl der Fahrzeuge auch bei 25, so muss die Tour nicht bei der Polizei angemeldet werden. Es ist Patrick wichtig, dass die Leute zuerst die Harleys und die Weihnachtsmänner sehen und nicht irgendeine Polizeikolonne - so bleibe der Zauber erhalten.
2016 suchte die Gruppen ein Spendenziel. Seitdem sammeln sie auf ihrer Tour für das Kinderhospiz Sterntaler e.V. in Dudenhofen, das einzige stationäre Kinderhospiz in Rheinland-Pfalz. Für Pädde war die Entscheidung für das Kinderhospiz eine Herzensangelegenheit. Direkt im ersten Jahr kam eine vierstellige Spendensumme zusammen, im Folgejahr nahmen die Santas eigens dafür gebaute Spendendosen mit auf die Tour. „Mir ist es wichtig, dass viele davon erfahren, was wir tun und vor allem auch warum wir es tun“, freut sich Patrick über die Beliebtheit der Riding Santas und ihrer Tour. Die Sterntaler erklärten die Riding Santas aufgrund ihres Einsatzes für die Hospizarbeit mittlerweile zu „Botschaftern der Sterntaler“.
Freudentränen und Dankbarkeit
Nervös ist Pädde immer noch jeden Nikolaustag aufs Neue. Zwei Mal in den vergangenen Jahren sogar so sehr, dass er losgefahren ist - und seinen Geschenkerucksack zuhause vergessen hat. Die Erinnerung an die erste Grundschule in Billigheim-Ingenheim, die sie besuchten, ist ihm immer noch sehr präsent. "Es war unglaublich schön. Die Kinder sangen und spielten auf Instrumenten, ein Teil von uns tanzte dazu". Jedes Jahr macht er sich aufs Neue Gedanken, wohin die Reise am Nikolaustag gehen soll. Die Tour kündigt Patrick über Facebook an.
In diesem Jahr hat er sich für die Region Bad Dürkheim entschieden, damit man auch hier die Riding Santas und ihren Weihnachtszauber kennen lernt. Als Organisator ist für ihn der Abschluss der Tour immer besonders schön. Vor allem, wenn alles geklappt hat. Im vergangenen Jahr endete die Route am Speyerer Dom. Noch vor der Ankunft auf dem Domplatz hielt Patrick kurz an. Er erinnert sich: „Ich habe den Moment eingesaugt, wusste, da oben erwarten uns nochmal tausend Leute. Ich musste drei bis vier Minuten warten, weil Freudentränen geflossen sind. Ich musste es einfach genießen, ich dachte an meinen Vater, der zusammen mit Petrus für schönes Wetter gesorgt hat. Und ich war einfach dankbar.“ kata
Den Riding Santas folgen
Wer den Riding Santas folgen will, findet sie auf Facebook oder auf Instagram unter @riding_santas.
Die Tour in diesem Jahr:
Für die Sterntaler spenden
Wer helfen und spenden will, kann an folgendes Sterntaler-Spendenkonto Geld überweisen:
Empfänger: Kinderhospiz Sterntaler e.V.
Bank: GLS Gemeinschaftsbank eG
IBAN: DE19 4306 0967 6026 3478 00
Verwendungszweck: Santas
Eine Spendenbescheinigung unter Angabe von Name und Adresse ist möglich.
Die Bildergalerie zum letzten Jahr:
Autor:Katharina Wirth aus Herxheim |
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