Digitalisierung der Architekturbranche überzeugt 1,2,3,GO-Jury
Kaiserslauterer Unternehmen gewinnt Businesswettbewerb der Großregion

Die vier Kaiserslauterer Preisträger von Enoba, Nagerpalast, Baukobox und Laki mit Mechthild Kern vom Wirtschaftsministerium (3.v.r.) und bic-Projektleiterin Maria Beck (1.v.r.) Foto: ps
  • Die vier Kaiserslauterer Preisträger von Enoba, Nagerpalast, Baukobox und Laki mit Mechthild Kern vom Wirtschaftsministerium (3.v.r.) und bic-Projektleiterin Maria Beck (1.v.r.) Foto: ps
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von Jens Vollmer

Kaiserslautern. Das business + innovation center (bic) in Kaiserslautern kann im diesjährigen Businesswettbewerb „1,2,3,GO“ der Großregion von sechs eingereichten Businessplänen gleich vier Preisträger, darunter den Erstplatzierten, vorweisen. Bei der Abschlussveranstaltung in der Chambre de Commerce in Luxembourg überzeugte insbesondere Baukobox, ein Spinn-off des DFKI Kaiserslautern, die Jury.

„Es war ein schönes 1,2,3,GO-Jahr mit guten Gründungsideen“, resümiert bic-Projektleiterin Maria Beck den länderübergreifenden Wettbewerb. „Wir begleiteten die Start-ups mit sehr guten Coaches. Diese Business-Angels sind ehemalige oder noch aktive Experten aus dem Banken- und Unternehmenssektor. Der Parcours dauert fast ein ganzes Jahr und ist gespickt mit zahlreichen Coachings und Seminaren“, erklärt Beck. Ziel ist immer ein fertiger Businessplan. „Neben den nützlichen Tipps und der öffentlichen Wahrnehmung als Preisträger ist insbesondere der Businessplan immer noch der eigentliche und größte Gewinn des Wettbewerbs und den hat jeder Absolvent des Parcours - ob Preisträger oder nicht - am Ende in Händen“, verdeutlicht Beck den Nutzen. Die am vergangenen Donnerstag, 27. September, verliehenen Preise sieht sie nur als i-Tüpfelchen aller Vorteile von 1,2,3,GO.
Eine der Preisträgerinnen kommt aus Herxheim am Berg. Hannelore Kissel ist gelernte Maschinenbauingenieurin und Mutter. Beim Spaziergang mit ihren zwei Kindern wurde es immer wieder lästig, das Kinderlaufrad zu tragen oder zu schieben. So kam die Idee, ein solches Fahrrad als Klappmodel zu entwerfen, damit es in den Ablagekorb des Kinderwagens oder in einen Rucksack passt. Aus dem Problem wurde eine Idee und Kissel fing an, ein eigenes, klappbares Kinderlaufrad zu entwickeln. Zum Entschluss, das Modell auch an andere zu verkaufen, war es nicht mehr weit. „Da bei mir zuerst die Technik im Vordergrund stand, war es gut für mich, im Wettbewerb betriebswirtschaftliche Aspekte kennenzulernen und ein komplettes Konzept zu entwerfen. Sonst hätte ich zuerst das Fahrrad gebaut und dann erst angefangen zu überlegen“, erklärt Kissel. Die entworfenen Bauteile will sie fertigen lassen, die Endmontage wird persönlich vorgenommen. Die Räder möchte sie unter dem mittlerweile markengeschützten Label „Laki“ über einen eigenen Onlineshop vertreiben.
Ebenfalls im Onlineshop vertreibt Annika Czölder, Studentin der Biowissenschaften an der TU Kaiserslautern, ihr selbst hergestelltes Zubehör für Nager, wie Häuser, Hütten, Spiele, Rampen und vieles mehr. Haustiere hatte sie von klein auf und mit ihnen wuchs die Leidenschaft zum Designen von Kleintierzubehör. Mit der Hilfe ihres Freundes setzte die Preisträgerin einen eigenen Onlineshop auf und lernte bei 1,2,3,GO, wie man das Hobby zu einem Businesskonzept weiterentwickeln kann. Das innovative Stecksystem ihrer entworfenen Bauten und die einzigartigen, farbigen Designs machen Nager-Gehege nicht nur schöner, sondern auch sicherer.
Weiterer Preisträger aus Kaiserslautern ist Enoba. Die integrierte Hard- und Software-Plattform verbindet mit Hilfe von intelligenten Sensornetzwerken die Realität auf der Baustelle mit den Modulen in der Planungsebene. Marco Hirsch, Christian Olczak, Peter Hevesi, Orkan Amvaskinov und Michael Heil gründeten das Unternehmen als DFKI-Spin-off mit Professor Dr. Paul Lukovic vom DFKI als Advisor. Die Digitalisierung der Baubranche steckt noch in den Kinderschuhen, die Ideen von Enoba könnten eine Revolution bedeuten. Allzu oft driften Planung und Praxis bei Bauvorhaben auseinander, der Flughafen Berlin oder die Elbphilharmonie in Hamburg sind hierfür berühmte Beispiele. Die Mehrkosten sprengen oft jeden Rahmen. Effizienz, aber auch Arbeitsschutz können durch die erfassten Daten entscheidend gesteigert werden. Konkret wurde das System an einer Autobahn-Großbaustelle im europäischen Ausland mit einem Projektvolumen von 500 Millionen getestet. Der nächste Schritt wäre, das DFKI-Projekt mit Branchenpartnern auf eigene Füße zu stellen. Interesse von Unternehmerseite sei bereits vorhanden.
Gewinner des ersten Preises beim diesjährigen 1,2,3,GO-Wettbewerbes der Großregion ist Baukobox, eine in Kaiserslautern programmierte Webplattform, die architektonische Planungsprozesse mit Hilfe interaktiver Konstruktionszeichnungen und damit verknüpften planungsrelevanten Informationen optimiert. Die Architekten Christian Wolf und Sebastian Lelle erarbeiteten zusammen mit Mathematiker Dr. Martin Memmel die Plattform. „Die Digitalisierung ist in der Architektur noch nicht weit fortgeschritten, wir wollen eine wichtige Lücke schließen“, erklärt Christian Wolf. Gerade in der Lehre muss noch mit Büchern gearbeitet werden, die Recherche ist für Architekten sehr zeitaufwendig. Auf der Plattform finden sich realisierte Projekte, mittels Suchfilter können zahlreiche Details sofort gefunden werden. Daten wie Hersteller, Produkt, Oberflächenbeschaffenheit, DIN-Norm, Produktblätter und viele mehr, sind sofort aufrufbar. Ziel ist es, die Plattform in der Lehre kostenlos bereitzustellen, damit Studenten schon früh damit arbeiten. Für Architekturbüros soll ein Abo oder ein „Pay per use“-Angebot bereitgestellt werden. Zudem ist es für Firmen möglich, ihre Produkte zu bewerben.
Gerüstet mit einer ISB-Anfangsfinanzierung, fertigen Businessplänen, eingetragener GmbH und nun auch mit dem ersten Preis des 1,2,3,GO-Wettbewerbs werden die Gründer ab dem 15. Oktober 2018 erste Räume im bic Kaiserslautern beziehen. Der Markteintritt ist für den 1. Januar 2019 anvisiert.
„Wir freuen uns riesig über den ersten Preis“, kommentiert Mechthild Kern vom Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz den Erfolg. „Das bic ist ein wichtiger Begleiter der Gründer. Die Chancen auf eine erfolgreiche Gründung werden durch den 12,3,GO-Wettbewerb erhöht, denn die Start-ups unterziehen sich hierbei einem zusätzlichen Härtetest durch die erfahrenen Coaches. Der Sieger „Baukobox" zeigt auf, dass durch die Digitalisierung neue innovative Dienstleistungen entstehen, an die vor 20 Jahren noch niemand gedacht hat.“
Für das die Gründer begleitende bic ist der erste Preis im 1,2,3,GO-Wettbewerb ebenfalls eine große Freude. Maria Beck ist stets sehr bemüht, den Start-ups einen guten Weg ins Unternehmertum aufzuzeigen. „Mein Ziel ist es, von Anfang bis zur Abgabe die Teilnehmer zu motivieren.“ Deshalb erinnert sie aktiv an alle To-Dos innerhalb des 1,2,3,GO-Wettbewerbs. So entsteht automatisch eine engere Beziehung zwischen Gründern und dem bic. Viele der ehemaligen Preisträger – nun auch Baukobox - sind Mieter im bic, die hier in der ersten Phase eine perfekte Infrastruktur vorfinden und auch Möglichkeiten haben zu wachsen, indem weitere Räume angemietet werden können.
Erstgespräche mit Gründungswilligen können jederzeit bei Maria Beck vereinbart werden, hierfür stehen kostenlose Sprechzeiten zur Verfügung. jv

Autor:

Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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