Kundgebung der Willkomm in Neustadt
Entschädigung statt Hilfe!

Foto: Markus Pacher
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Interaktive Karte: Corona-Inzidenzen in der Region

Neustadt. „Wir machen aufmerksam!“ lautete auch diesmal das Motto einer von der Willkomm organisierten, am Montagmorgen auf dem Marktplatz durchgeführten Kundgebung. Nach ihrem ersten Auftritt am 11. Januar verwiesen Mitglieder der Neustadter Werbegemeinschaft erneut auf die dramatische Situation im Handel, Gastronomie und Kultur. Ungeachtet der nasskalten Witterung verfolgten zahlreiche mit Masken und Schirmen bewehrte Bürgerinnen und Bürger die Reden, allen voran der Ansprache von Oberbürgermeister Marc Weigel.

Von Markus Pacher

Deutliche Worte fand das Willkomm-Mitglied Andreas Böhringer: „Die Geschäfte machen nicht zu, weil viele Kunden nicht kommen, sondern weil sie nicht öffnen dürfen“, betonte der Neustadter Unternehmer und verwies darauf, dass die Opfer der Pandemie nicht nur die Menschen im Krankenhaus seien.

Es geht nicht um Hilfe, es geht um Entschädigung

„Es geht nicht um Hilfe, es geht um Entschädigung“, sagte Böhringer. „Wenn mir gesagt wird, ich mache dir den Laden zu, muss man mir auch sagen, wie ich das ersetzt bekomme“, so Böhringer weiter, der in diesem Zusammenhang kritisierte: „Die Antragstellung zur Auszahlung von Entschädigungen ist kompliziert und unbürokratisch. Jeden Monat gibt es neue Modalitäten, Programme etc.“ Generell sieht Böhringer in der momentanen Entwicklung die Gefahr, dass Strukturen aufgebaut werden, „die den klassischen Handel in unserer Stadt zerstören“.

Desolate Stimmungslage im Einzelhandel

Über die desolate Stimmungslage im Neustadter Einzelhandel berichtete Sabine Omlor, stellvertretende Vorsitzende der Willkomm: „Wir haben alle privat zu lange hineingebuttert, waren mit Herzblut dabei, aber die Perspektiven werden uns genommen“. Klare Perspektiven, was passiert, wenn der Impfstoff verteilt sei und sich die Situation entspannt habe, forderte auch Oberbürgermeister Marc Weigel. Seine Fragen an die politischen Entscheidungsträger: „Was passiert, wenn der Inzidenz-Wert von 50 unterschritten ist? Wie können wir dann wieder in eine ’Normalität’ zurückkehren?“

Schmitt vermisst Exit-Stategie

Über verloren gegangene Perspektiven spricht auch Herrenausstatter Markus Schmitt - und kritisierte die jüngsten Debatten zur Verlängerung des zweiten Lockdowns: „Seitens der Bundesregierung wurde kein Wort über eine Exit-Strategie verloren und wie wir aus dem Lockdown trotz rückläufiger Zahlen wieder herauskommen. Seit unserer letzten Kundgebung hat sich leider nichts getan, was uns Mut geben könnte“.

Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit

Konkrete Zahlen bezüglich seines Unternehmens nannte der Neustadter Modeausstatter Jochen Stahler. Er berichtet von 110 Mitarbeiter*innen, die er in Kurzarbeit schicken musste. „Wir sind keine Querdenker und tragen die geforderten Maßnahmen der Bundesregierung mit. Aber wir brauchen einen gemeinsamen Start von Geschäften, Gastronomie und Kultur“, so Stahler, der gleichzeitig seine Zufriedenheit mir der Stadt und ihrem Management während der Krise äußerte.

Schnelle Entschädigungen gefordert

Auch Willkomm-Mitglied Dr. Manfred Oesterle, der die über einstündige Veranstaltung moderierte, sieht die Politik in der Verantwortung und erwartet über bürokratische Hürden hinweg schnelle Entschädigungen für die im Zuge der Pandemie entstandenen Verluste in den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie und Kultur.
Die Situation aus der Sicht des Friseur-Handwerks schilderte indes Catharina Cichon. „Haareschneiden per Online funktioniert leider nicht“, betonte die Friseurin, „leider ist bis heute keine Hilfe geflossen.“ Dafür gäbe es jeden Tag „unmoralische Angebote von Leuten, die Haare geschnitten haben möchten.“

Einen Weg für die Kultur

Kabarettist Bernhard Weller (Spitz & Stumpf) berichtete im Kulturbereich von einem dreifachen Arbeitsaufwand bei dreimal weniger Einnahmen. Und das gilt für die Zeit nach dem ersten Lockdown, als die Künstler unter erschwerten Bedingungen die ein oder andere Veranstaltung durchführen konnten. „Anfangs wurde uns gesagt, wir als Künstler seien nicht systemrelevant“, erinnert sich Weller. Immerhin seien Künstler gewohnt, kreativ zu sein, nach Auswegen zu suchen. „Einen Weg für die Kultur“ hat der beliebte Kabarettist in Gestalt einer vierzehntägigen Wanderung gefunden, die ihn von der französischen Grenze nach Mainz führt und die ihm zwanzig Interviews mit Künstlern bescherte.

Lebendige Innenstadt

Für eine „Lebendige Innenstadt“ nach dem Lockdown plädierte Norbert Schied und bat um schnellstmögliche Aufnahme von Gesprächen bezüglich künftiger Aktivitäten. Pfarrer Oliver Beckmann warb bei den Neustadtern fürs „Zammehalde“, für Solidarität untereinander und Gemeinsinn in der Phase während und nach dem Lockdown.
Zur Vorbereitung der Veranstaltung wurde generalstabsmäßig für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen und der Abstandsregel gesorgt. Unter anderem zogen Mitarbeiter des Ordnungsamtes Kreidekreise auf dem Marktplatz, derweil ein kleines Aufgebot an Polizeibeamten und Ordnungshütern Zeuge einer absolut friedlich verlaufenden Kundgebung wurden.

Positive Entwicklungen trotz Corona

Marc Weigel verwies einleitend auf die sich trotz Corona abzeichnenden positiven Entwicklungen für die Neustadter Innenstadt, darunter der kurz bevorstehende Beginn der Baumaßnahmen zur Bahnhofsneugestaltung und die jüngsten Planungen zur künftigen Nutzung des Klemmhofs. pac

Autor:

Markus Pacher aus Neustadt/Weinstraße

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