Vor Ort nachgeprüft
Von Germersheim mit Stadtbahn und Bus zum Impfzentrum Südpfalz

Vorbemerkung: Ich habe nicht von Berufs wegen mit den Normen und Rechtsvorschriften zur Barrierefreiheit zu tun, musste allerdings durch Familienangehörige und Bekannte, die auf Rollator/Rollstuhl angewiesen waren oder sind, eine Auge dafür entwickeln, wo sich ihre Bewegungsfreiheit einschränkende Barrieren verbergen. Es kann also durchaus sein, dass mir bei meiner Fahrt zum Impfzentrum weitere wesentliche Einzelheiten nicht aufgefallen sind oder von mir nicht erkannt wurden, weil mein Termin mittags und nicht in der dunklen Tageszeit lag.
Nachdem ich jahrzehntelange Erfahrung darin habe, wie man durchs Leben kommt, ohne irgendein Fahrzeug zu lenken, nehme ich für mich in Anspruch, begründete Aussagen zum öffentlichen Personennahverkehr beitragen zu können.

Vermutlich als Reaktion auf meine Kritik am Shuttlebus ( Fehlgeplanter Shuttle ) zeigte sich Landrat Dr. Brechtel erfreut darüber, dass die Seniorenbeauftragte der Stadt Kandel und ihre Kollegin eine reibungslos funktionierende Anreise ( Von Kandel mit Bus und Bahn zum Impfzentrum ) gehabt hätten, und betonte, unabhängige und unangekündigte Tests "unserer Logistik" seien wichtig.

Für mich ist der Bericht der beiden Damen ein reines "Gefälligkeitsgutachten" ohne Substanz.
Wie "unabhängig" ist Frau Tolkmitt, wenn sie als CDU-Mitglied dem Kreistag angehörte?
Wie "unangekündigt" war diese Aktion, wenn die beiden Testerinnen vom Impfkoordinator eine "spontane Führung" erhielten? Kommt man denn überhaupt auf das Gelände des Impfzentrums, wenn man selbst keinen Impftermin hat oder kein Begleiter einer Person mit Termin ist? Ich musste bei der im Bus durchgeführten Kontrolle am Tor zum Gelände meine Einladung vorweisen.
Und vor allem: Kein einziges Wort zu meinen Fragen zur Barrierefreiheit des Reisebusses.

Meine Vermutung, dass der Reisebus nicht den Kriterien der Barrierefreiheit im ÖPNV entspricht, hat sich vor Ort bestätigt.
· An der Haltestelle am Bahnhof ist beim Einstieg eine Höhendifferenz von etwa 26 cm zu überwinden.
· Im Bus führen weitere Stufen hinauf zur Sitzplatzebene.
· Beim Ausstieg am Impfzentrum erhöht sich die Höhendifferenz sogar auf etwa 36 cm, weil nicht daran gedacht wurde, einen provisorischen Bussteig zu bauen.
Was die Mitnahme von Rollatoren oder sogar Rollstühlen angeht, habe ich vergessen, beim Fahrer nachzufragen.

Die Entscheidung für einen Reisebus als Shuttle wurde damit begründet, dass "die Abstände gewahrt werden können". Gut, dieser Reisebus hat 50 Sitzplätze, weil keine Stellfläche vorhanden sein muss, im Kreis verkehrende Linienbusfahrzeuge mit Stellfläche haben (geschätzt) höchstens 40. Der Reisebus ist aber nicht länger als ein Linienbus, die Sitzabstände sind gleich. Und so kommt ein anderer Faktor ins Spiel, der unter dem Corona-Gesichtspunkt Aerosolübertragung wichtig ist: der Rauminhalt des Fahrgastraumes. Im Sitzbereich des Reisebusses beträgt die "Deckenhöhe" auf ganzer Länge ca. 165 cm, nur im schmalen Gang etwa 200 cm, in einem Linienbus aber auf mindestens 60% der Länge (geschätzte) 260 cm. Unter dem Strich spricht meiner Meinung nach alles klar für das ÖPNV-Fahrzeug: Es hat den großen Vorteil der Barrierefreiheit, und sein größeres Luftvolumen gleicht die höhere Sitzplatzzahl des Reisebusses mindestens aus.

Fazit: Es kann und darf nicht sein, dass man die Anfahrt zum Impfzentrum als mit dem ÖPNV möglich bezeichnet, aber "auf der letzten Meile" vom Bahnhof zum Impfzentrum die für den ÖPNV geltenden Kriterien der Barrierefreiheit außer Kraft setzt.

Nur für die Feststellung, dass es am Wörth Bf Aufzüge an allen Gleisen gibt, hätten die Testerinnen nicht hinfahren müssen. Die Barrierefreiheit im ÖPNV auf der Schiene ist bis auf ganz wenige Ausnahmen schon länger Standard, und die "Ausstattungsmerkmale" von Bahnhöfen sind im Internet zu finden.
Sind die Testerinnen aber auch wirklich mit dem Zug von Kandel nach Wörth gefahren? Wenn ja, dann wäre interessant gewesen, wo sie die Wartezeit bis zum Eintreffen des Shuttle-Busses verbracht haben. Wer sich am Bahnhof Wörth nicht auskennt und mit dem Lift hoch zur Bushaltestelle fährt, kommt möglicherweise nicht darauf, dass man sich "um die Ecke" hinter dem Lift im Bahnhofsgebäude vor der Witterung geschützt aufhalten kann, es dort allerdings nur wenige Sitzmöglichkeiten gibt.

Von Einschränkungen der Mobilität sind hauptsächlich ältere Menschen betroffen. Nach meinem Eindruck gibt es leider zu viele Seniorenbeauftrage, die die damit verbundenen Probleme nicht sehen können oder wollen, ihren "Job" als erledigt betrachten, wenn sie ihre Klientel ab und zu in geselliger Runde bespaßen. Ist ja auch viel einfacher und bequemer, als gemeinsam mit Behindertenbeauftragten für Verbesserungen bei der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum zu kämpfen, die nicht nur Seniorinnen und Senioren tagtäglich ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen würden.

Abschließend dann aber doch noch ein positives Feedback. Bei den "Dixi-Klos" auf dem Parkplatz des Impfzentrums hat man auf die Barrierefreiheit geachtet. Bei den Toiletten im Impfbereich gibt es eine niedrige Stufe, aber ich sah, dass eine Mitarbeiterin des Impfzentrums dem Begleiter einer Seniorin im Rollstuhl sofort Hilfe anbot.

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Autor:

Hermann Völkel aus Germersheim

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