Repräsentative Daten statt Bauchgefühl
Ergebnisse von Sicherheitsumfrage der TUK wurden der SiKa präsentiert

Auf Grundlage der Auswertung sollen dann Maßnahmen entwickelt werden, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken. | Foto: Bundespoilzei
  • Auf Grundlage der Auswertung sollen dann Maßnahmen entwickelt werden, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken.
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Kaiserslautern. Wie sicher fühlen sich die Menschen in Kaiserslautern, wo fühlen sie sich unsicher und warum? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wurde im Winter 2021 unter Leitung von Tanja Dannwolf ein Lehrforschungsprojekt im Studiengang Integrative Sozialwissenschaft der TU Kaiserslautern durchgeführt. In der repräsentativen Umfrage zur Sicherheit und Sauberkeit in Kaiserslautern waren 3100 zufällig ausgewählte Kaiserslauterer Bürgerinnen und Bürger eingeladen, ihre Meinung anhand eines standardisierten Fragebogens zum Ausdruck zu bringen. Auf Grundlage der Auswertung sollen dann Maßnahmen entwickelt werden, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken.

Initiiert wurde die Umfrage, die vom Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz gefördert wurde, von Bürgermeisterin Beate Kimmel und Polizeirätin Katja Schomburg. Die Ergebnisse wurden nun in einer Sitzung der SiKa (Initiative Sicheres Kaiserslautern) vorgestellt, zu der auch Mitglieder der Ratsfraktionen eingeladen waren.Die Ergebnisse der Umfrage zeigen auffällige Unterschiede im Sicherheitsgefühl zwischen den einzelnen Stadtbezirken. Niedrig ist dieses insbesondere in Kaiserslautern-West, im Bereich Grübentälchen/Volkspark und auf dem Betzenberg.

Auch für die Innenstadt belegt die Studie, dass sich dort viele Menschen unsicher fühlen, insbesondere abends. Gut ist das Sicherheitsgefühl in Verbindung mit dem ÖPNV, beispielsweise an Haltestellen oder in Bussen. Als unsichere Orte besonders häufig genannt werden die Umgebung der Mall, gefolgt vom Rathausvorplatz, dem Hauptbahnhof und der zentralen Innenstadt. Die Gründe, die die Befragten angeben, sind vielfältig. Auffällig oft genannt werden aber Gruppen von Menschen, speziell von Jugendlichen, oder Menschen, die als Menschen mit Migrationshintergrund wahrgenommen werden. Vor allem Betrunkene und pöbelnde Menschen werden als Grund für Unsicherheit aufgezählt. Selten aufgeführte Gründe sind dagegen herumliegende Abfälle, fehlende Polizeipräsenz oder eigene Opfererfahrung.

Erhoben wurden in der Umfrage auch 18 unterschiedliche „incivilities“. Unter diesem Begriff werden Verletzungen von gemeinschaftlichen Standards zusammengefasst, die eine Abnutzung anerkannter Werte und sozialer Normen signalisieren. Die Umfrage unterscheidet hier zwischen physischen Zeichen von Unordnung, also etwa leerstehenden Gebäuden, Abfall oder Hundekot, sozialen Zeichen von Unordnung – darunter fallen etwa Pöbeleien oder Betrunkene – und solchen aus dem Bereich Verkehr (parkende oder zu schnell fahrende Autos, abgestellte E-Scooter et cetera).

Auch hier zeigen sich große Unterschiede in der Umfrage, sowohl in der Wahrnehmung, was von den Menschen als belastend empfunden wird, als auch in der räumlichen Verteilung. So stechen Hundekot, Abfall oder zu schnell fahrende Autos als Belastung hervor. Dagegen wurden E-Scooter nicht im gleichen Maße als schlimm bewertet. Tanja Dannwolf konnte in statistischen Analysen zeigen, dass physische und insbesondere soziale incivilities mit einem schlechteren Sicherheitsgefühl einhergehen.

In der Gesamtschau der Umfrageergebnisse mit Bezug zu Pöbeleien und Beleidigungen ergibt sich der Eindruck eines unfreundlichen Klimas in der Stadt. So ist auch die subjektive Wahrnehmung, Opfer von Beleidigungen zu werden, bei den Kaiserslauterner Bürgerinnen und Bürger relativ hoch. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Das Sicherheitsgefühl ist abhängig von Geschlecht, Herkunft und Bildungsstand. So ist das Sicherheitsgefühl von – insbesondere jungen – Frauen niedriger, vor allem am Abend in der Innenstadt.

Darüber hinaus fühlen sich Menschen, die in Kaiserslautern aufgewachsen sind, unsicherer als Menschen, die zugezogen sind. Menschen mit Hochschulabschluss und Menschen, die im Ausland geboren wurden, fühlen sich hingegen mit einer größeren Wahrscheinlichkeit sicher. Insbesondere die Geschlechterunterschiede müssen, so Dannwolf, bei der Entwicklung von Maßnahmen berücksichtigt werden.

Wie Bürgermeisterin Beate Kimmel anschließend feststellte, sei sie überrascht gewesen, dass sich die Einschätzungen der SiKa in den Ergebnissen der Studie überwiegend widerspiegeln. „Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse gilt es nun, zielorientierte Maßnahmen zur Steigerung des Sicherheitsgefühls der Mitbürgerinnen und Mitbürger zu entwickeln“, meinte sie. Dabei sei nicht nur ein gemeinsames Handeln von Polizei und Ordnungsbehörde, sondern auch von Politik und Verwaltung, von Bevölkerung und Institutionen in vielerlei Bereichen gefragt.

In diesem Zusammenhang warb Kimmel unter anderem erneut für sozialpädagogische Ansätze und kündigte für ihren Zuständigkeitsbereich neben den vorgestellten, bereits laufenden Maßnahmen weitere gemeinsame Begehungen und Bürgerworkshops an. Außerdem verwies sie darauf, dass am 9. November die erste Sitzung des neu ausgerichteten Arbeitskreises „Sicherheit und Sauberkeit im öffentlichen Raum“ der SiKa stattfinden wird. In diesem sollen neben den Vertreterinnen und Vertretern der Ratsfraktionen auch die Stadtbildpflege, das City- und Bildungsmanagement, das Jugendparlament sowie der Seniorenbeirat und der 1. FC Kaiserslautern eingebunden sein. „Dort haben die Stadtratsmitglieder die Möglichkeit, ihre Anliegen direkt mit einem Fachgremium zu besprechen und mit diesem gemeinsam Lösungen zu entwickeln“, so die Bürgermeisterin.

Abschließend bedankte sich die Bürgermeisterin bei Tanja Dannwolf und ihren Studierenden sowie bei Katja Schomburg für die gute und intensive Zusammenarbeit. „Durch die Umfrage verfügen wir nun über repräsentative und belastbare Erkenntnisse und müssen uns nicht mehr nur auf unser Bauchgefühl verlassen. Meine Hochachtung für diese großartige Leistung und vielen Dank!“ Die Ergebnisse der Umfrage der TUK werden aktuell zum Abrufen im Internet vorbereitet und stehen dann der Öffentlichkeit zur Verfügung. ps

Autor:

Ralf Vester aus Kaiserslautern

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