Neueröffnung des Caritas-Warenkorbs lockt 500 Kunden an
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- Kinderkleidung im Warenkorb Speyer
- Foto: Caritasverband Speyer
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Speyer. „Wahnsinn, was hier abgeht.“ So kommentierte ein Kunde des Caritas-Warenkorbs den Ansturm auf den neu eröffneten Markt. Mit rund 500 Kundinnen und Kunden übertraf der Zuspruch bei weitem die normale Kundenfrequenz. Nach dreieinhalb Wochen Schließung, während der das Sozialkaufhaus „Warenkorb St. Christophorus“ von der Friedrich-Ebert-Straße in die Auestraße umgezogen ist, hat der Markt am Mittwoch, 19. Februar, am neuen Standort wiedereröffnet.
„An einem normalen Tag haben wir im Schnitt 250 Kunden“, berichtet Helga Siegel, die Marktleiterin. „Aber wir haben schon damit gerechnet, dass es heute viel Interesse geben wird.“ Kurz vor der Öffnung der Eingangstür war das noch leere Geschäft zu bestaunen. Der Markt ist hell und luftig, alle Regale, Tische und Kleiderständer sind üppig bestückt mit Ware. Die Sachen sind mit viel Liebe zum Detail eingeräumt und ansprechend dekoriert nach Farbe und nach Größe. Es ist deutlich zu sehen, dass die Mitarbeiter*innen das mit viel Geschmack und Ordnungssinn eingeräumt haben. „Das drückt auch unsere Wertschätzung für unsere Kunden aus. Sie sollen einen schönen Markt vorfinden, in dem sie ein gutes Einkaufserlebnis haben“, sagt Siegel.
„Die Mitarbeiter haben in den dreieinhalb Wochen Umzugszeit Schwerstarbeit geleistet“, sagt Peter Lehmann, unter anderem der Gesamtleiter der drei Caritas-Warenkörbe St. Christophorus. „Erst haben wir am alten Standort so viel wie möglich abverkauft. Dann mussten die übrigen Sachen und die ganze Möblierung umgezogen werden.“ Im Markt wurde neuer Teppichboden verlegt, es wurden Wände eingezogen und ein Büro und ein Sortierlager eingerichtet. „Und während wir ja erstmal den Markt einrichten mussten, wurden aber gleichzeitig schon Spenden angenommen und sortiert“, erzählt Lehmann. „Erst hatten wir Sorge, dass wir vielleicht nicht ausreichend Sachen haben würden. Aber die Spendenaufrufe haben eine richtige Welle ausgelöst“, so Lehmann weiter. Er und sein Team seien überwältigt von der Spendenbereitschaft der Speyerer.
Zum Team gehören fünf hauptamtliche Mitarbeiter, zwei Ehrenamtliche und 15 Teilnehmer an einer Arbeitsgelegenheitsmaßnahme (AHG) vom Job-Center. „Sie haben unfassbar viel geleistet, darauf können sie mit Recht sehr stolz sein“, so Lehmann.
Schon vor der Öffnung der Eingangstür hat sich draußen auf dem Parkplatz bereits eine große Menschentraube eingefunden. Um
Punkt 10 Uhr öffnet Helga Siegel die Tür und die Kunden strömen herein. Sie schnappen sich einen Einkaufswagen und beginnen mit ihrer Einkaufstour. „Es gibt hier fast alles, was man braucht“, sagt eine Kundin. „Kleider, Haushaltswaren, Spielzeug, Bücher, Dekorationssachen, Geschirr, Bilder, Bürosachen. Wenn ich was brauche, gehe ich immer zuerst hierher.“ Ihr Einkaufswagen ist schon komplett gefüllt. „Ich habe drei Kinder und fünf Enkel, da braucht immer jemand was und hier gibt es alles für wenig Geld“, freut sie sich und wendet sich schon dem nächsten Regal zu.
„Ich bin gerade in meine erste eigene Wohnung gezogen“, erzählt Damaris. Ihren Nachnamen will sie nicht sagen. „Ich hatte einen Ausbildungsplatz, aber den hab ich leider verloren. Deshalb habe ich nicht viel Geld. Aber ich brauche noch alles Mögliche für die Küche, und das habe ich hier gefunden.“ In ihrem Einkaufswagen stehen drei Edelstahltöpfe, eine Pfanne, Plastik-Vorratsdosen, eine Thermoskanne und eine Saftpresse. Auch Bettwäsche und Handtücher hat sie eingepackt. „Jetzt gehe ich noch zu der Kleidung, denn ich brauche noch eine Winterjacke, und die meisten guten Sachen kosten hier unter zehn Euro“, freut sie sich.
Im Warenkorb herrscht ein reges Treiben. An allen Ständern werden Kleider durchgesucht, die Kleiderbügel klackern, die Kunden schauen nach der richtigen Größe und besprechen mit ihren Angehörigen oder Freunden, ob die Bluse wohl die richtige wäre, ob die Hose zu dem Pullover passt, und was sie sich noch anschauen wollen. „Ich komme manchmal dreimal die Woche in den Warenkorb, denn es gibt ja jeden Tag wieder neue Ware. Eigentlich finde ich immer was“, erzählt Dimitrji, der sich als Stammkunde versteht. „Es gibt hier wirklich gute Sachen in guter Qualität zu einem kleinen Preis.“
Während im Markt die Stimmen schwirren, wird die Schlange an der Kasse immer länger. Sie reicht durch den halben Markt und die Kunden stehen geduldig an, keiner murrt. Die drei Kassen-Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun. Weil viele Kunden kein Deutsch sprechen, versuchen Kunden und Mitarbeiter es manchmal mit Englisch, aber meist geht die Verständigung mit Händen und Füßen. „Unsere Kunden kommen aus der ganzen Welt“, weiß Marktleiterin Siegel. „Es sind viele Ukrainer da, aber es kommen auch Syrer, Rumänen, Russen, Polen“, zählt sie auf. Viele kennt sie schon länger und kann deren Fortschritte beim Deutschlernen verfolgen. „Wir haben eine Menge Stammkunden. Natürlich auch Speyerer.“
Gegen 13.30 Uhr wird die Schlange an der Kasse allmählich kürzer. Der Markt schließt dann bis 14 Uhr, damit die Mitarbeiter die Regale und Ständer wieder auffüllen können. Denn während vorne verkauft wird, wird hinten im Lager weiter sortiert. „Hier bereiten unsere Mitarbeiter die Spenden so auf, dass sie dann wieder draußen präsentiert werden können“, erklärt Lehmann. Säcke und Kartons werden geöffnet, die Sachen werden geprüft, ob die Qualität ausreichend ist, um sie zu verkaufen. „Jedes Stück wird in die Hand genommen, genau angeschaut, und dann schreiben wir den Preis drauf, damit die Kunden auch wissen, wie viel es kostet. Bei Kleidung und Schuhen hängen die Preise an den Regalen.“
Der Qualitätsanspruch der Mitarbeiter ist hoch. Jede Spieleschachtel wird geöffnet und es wird geprüft, ob auch wirklich alles drin ist, was auf der Packung steht. „Sie werden es vielleicht nicht glauben“, sagt einer der Teilnehmer an der AGH-Maßnahme, „aber wir zählen bei den Puzzles die Puzzleteile, denn wenn welche fehlen, verkaufen wir sie nicht.“ Das größte Puzzle, das er bisher geprüft hat, hatte 3000 Teile. „Und ich zähle dann natürlich alle, denn ob eins fehlt, merke ich ja erst am Ende“, lacht er. Er ist sichtbar stolz darauf, dass er hier etwas zum Erfolg des Warenkorbs beitragen kann.
Am Ende des Tages ist die Bilanz von Peter Lehmann überaus positiv. „Wir haben es geschafft, es waren anstrengende Wochen, aber der Erfolg kann sich sehen lassen. Wir haben an unserem ersten Tag im neuen Markt genau 3.066 Teile verkauft“, ist er zufrieden. red/bas
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
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